Das Bauhaus hatte nur knapp ein Jahr in Berlin sein Domizil aufgeschlagen, bevor es 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Zahlreiche Architekten, die zwischen 1919 – 1933 Meister und Schüler an dieser legendären Schule für Kunst und Architektur waren, schufen in den 1920er Jahren und auch bis zu 40 Jahre später bekannte und weniger bekannte Bauwerke in der Stadt. Walter Gropius und Mies van der Rohe, arbeiteten ab 1910 in Berliner Architekturbüros, auch während ihrer Zeit als Bauhausdirektoren in Weimar und Dessau.

Über die Architektenvereinigung „Der Ring“ waren sie mit ihren jungen Kollegen Bruno und Max Taut, Hugo Häring sowie Hans Scharoun im Austausch zu Themen des Neuen Bauens. Die Mitglieder wollten nach dem ersten Weltkrieg einen gestalterischen Neubeginn in der Architektur und neue Bautechniken erproben. Moderne Architektur und Stadtplanung sollten u.a. die desaströsen

Wohnverhältnisse der Arbeiter in den Städten verbessern helfen.

Mit dem Bus wollen wir uns für 3 oder 4 Stunden auf eine Entdeckungsreise quer durch die Stadt auf die Spuren der Bauhäusler und ihrer Weggefährten begeben:  Wir betrachten Gebäude der Moderne aus den 1920er Jahren und schauen wie es nach 1945 mit den Protagonisten des Bauhauses und ihren Zeitgenossen in der Ära des Kalten Krieges in Ostberlin und Berlin/West weiterging.

Die Busrundfahrt beginnt vor dem Bauhaus-Archiv in der Klingelhöfer Straße gegenüber der CDU-Parteizentrale. Walter Gropius verließ 1934 Berlin und lebte fortan in den USA. Er lehrte an der Harvard-University. 1964 wurde in der hessischen Stadt Darmstadt das Bauhaus-Archiv gegründet, das die Erinnerung an das Laboratorium für moderne Gestaltung und Architektur der Weimarer Republik am Leben halten sollte. Walter Gropius entwarf ein Neues Gebäude, für die aus den Nähten platzende Sammlung. Warum der letzte Entwurf erst 1979, zehn Jahre nach dem Tod des Architekten – in Berlin und nicht wie geplant in Darmstadt- eröffnet wurde, erfahren sie an diesem Ort. Auch möchte ich mit Ihnen darüber sprechen, inwieweit sich Gropius bei diesem Gebäude, ähnlich wie bei seinem Entwurf für das Bauhausgebäude in Dessau 1926 an der zeitgenössischen Industriearchitektur und industriellen Fertigungsweise orientierte. 

Anschließend wollen wir in Berlin-Wilmersdorf die Firma Schokoladen-Hamann besuchen. Probieren Sie Orangenschokotaler und begeben Sie sich auf eine kleine Zeitreise – Sie stehen im Ladengeschäft mit Originaleinrichtung von 1928, die der Meister des Weimarer Bauhaus Johannes Itten damals für die Süßwarenfirma, die hier bis heute produziert, entworfen hat. Um die Ecke befindet sich das Gebäude der Kunstschule, die Itten 5 Jahre nach seinem Weggang vom Bauhaus Ende der 1920er in Berlin gründete. Weiter geht es mit dem Bus Richtung Berliner Nordosten. In der Nähe der Prenzlauer Allee werden wir uns die Wohnstadt Carl-Legien anschauen. Sie ist eine der sechs Berliner Siedlungen, die 2008  gemeinsam unter der Bezeichnung „Siedlungen der Moderne“ Teil des UNESCO-Weltkulturerbe wurden. Nach dem ersten Weltkrieg litt Berlin unter einer großen Wohnungsnot. In der Weimarer Republik hatte sich der Berliner Baustadtdirektor Martin Wagner die Verbesserung der katastrophalen Wohnbedingungen der Ärmeren Berliner auf die Fahnen geschrieben und entwickelte

Schokoladen Hamann Berlin
Mies van der Rohe Haus Berlin

gemeinsam mit dem Architekten Bruno Taut Siedlungen mit bezahlbaren kleinen Wohnungen mit Küchen, Bädern, Innentoilette und Blick ins Grüne von einem Balkon sowie Infrastruktur.

Frei nach dem Motto: „Licht, Luft und Sonne für Jedermann“. Als Bauherren fungierten in dieser Zeit städtische Wohnungsbaugesellschaften.  Die vier- und fünfstöckigen U-förmigen Häuserblöcke haben zur Straße hin, anders als bei den Bauten aus der Kaiserzeit, die Wirtschaftsräume Küche und Bad. Die Wohnräume mit Balkon /Loggia hingegen sind zu den Gemeinschaftsgärten in den Innenhöfen ausgerichtet.  Bruno Taut verwandte für seine innerstädtischste, zugleich sehr grüne Siedlung (erbaut 1928-1930), sein typisches Farbkonzept. Die Siedlung wurde Anfang 2000 umfassend renoviert und modernisiert. Es wurden 1.949 Wohnungen (1,5 – 4 Zimmer) für ca. 4.000 bessergestellte Arbeiter und Angestellte gebaut. Auch hier gibt es einen kurzen Ausstieg.

Als nächstes besuchen wir die Villa Lemke in Hohenschönhausen. 1932 wurde dieses kleine L-förmige eingeschossige Wohnhaus für den kinderlosen Berliner Kunsthaus- und Druckereibesitzer Karl Lemke und Frau Martha von Mies van der Rohe auf einem Doppelgrundstück direkt am Obersee entworfen. Das Haus besticht durch seine schlichte Form und kann zurecht als Vorläufer der Bungalowhäuser bezeichnet werden, die in den 1960er – 1970er Jahren in der BRD en vogue waren. Ggf. kann Haus und Garten besichtigt werden. Bitte vorher vereinbaren.

Unser nächstes Ziel ist die Karl-Marx-Allee. Entlang der kriegszerstörten Straße entstand in den 1950er Jahren eine Mustersiedlung für sozialistischen Siedlungsbau in einem Stilmix  aus sozialistischen Klassizismus und preussischer Schinkelschule. Die DDR sollte und wollte die damals in Stalinallee umbenannte Straße, in eine von Arbeiterpalästen gesäumte Magistralen umgestalten. Wir schauen uns die beiden von Richard Paulick errichteten Wohnblöcke C näher an. Richard Paulick war 1926-28 Assistent von Walter Gropius am Dessauer Bauhaus und entwarf das Stahlhaus in Dessau-Törten. Aus dem Shanghaier Exil kehrt er 1949 zum Aufbau der DDR zurück. Hier werden sie hören, welche Rolle das Bauhaus in der DDR spielte. Begehung der Mieterterrasse ist nach vorheriger Vereinbarung möglich.

Als Antwort auf die Bauten an der Stalinallee beschloss West-Berlin 1956 zum Aufbau des kriegszerstörten Hansaviertels eine Internationale Bauausstellung durchzuführen und lud renommierte und international bekannte Architekten ein, eine Siedlung im westlichen Stil zu bauen. Für dieses Projekt konnte Walter Gropius gewonnen werden, der einen geschwungenen Zeilenbau am Rande des Tiergartens entwarf. Die einstigen Bauhausschüler Gustav Hassenflug und Eduard Ludwig bauten ein Punkt-Hochhaus und Atrium-Bungalows.  Die Zeilenhäuser, Hochhäuser und Einfamilienhäuser im Hansaviertel waren für den neuen Siedlungsbau der BRD für die nächsten 20 Jahre stilprägend. 

Ich freue mich sehr mit Ihnen gemeinsam in Berlin die Spuren der Bauhauses zu erkunden.

Das sagt Claudia Häußer-Mogge über unsere Stadt & seine Führung:

Es macht mir Spaß, dass sich ewig verändernde Berlin mit all seinen unterschiedlichen Facetten, gemeinsam mit Berlinern und/ oder Gästen der Stadt gemeinsam zu erkunden. Berlin ist nicht eine Stadt, sondern viele Städte.

Statement: „Das wahre Wunder besteht nicht darin, in der Luft zu schweben oder auf dem Wasser zu wandern, sondern darin, auf der Erde zu gehen.”(Linji Yixuan)

Laubenganghäuser Berlin Steglitz

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