Das Bikini-Haus im Herzen der City-West gehört zu einem Gebäudeensemble von insgesamt

4 Gebäuden, welche alle seit 1997 unter Denkmalschutz stehen, und im Jahr 2002 von der

bayrischen Hausbaubank mit einem 3-stelligen Millionenbetrag erworben wurden.

Zu den 4 Gebäuden gehören das Hochhaus, welches ehemals als Bürogebäude genutzt

wurde, das Kino-Zoo-Palast, das BIKINI-Gebäude, sowie das Hotel 25 hours.

Wir starten im 1.ten Stock

Das Bikini-Haus ist das historische „Zentrum am Zoo“, welches in den Jahren 1955-57 von

Paul Schwebes und Hans Schroszberger erbaut wurde. Nach dem 2.ten Weltkrieg entstand

hier ein neuer Sitz der Damenoberbekleidung, aus Mitteln des Marshallplans durch den

Investor Jacques Rosenstein.

Berlin war vor dem 2.ten Weltkrieg Industriestadt, und auch Modestadt!

Während Paris als Hauptstadt für die Haute Couture stand, galt Berlin als Hauptstadt für

Konfektionsmode.

Der Einstige Sitz der DOB befand sich vor dem Krieg am Gendarmenmarkt in Mitte.

Durch die Teilung der Stadt, war für den neuen Westteil ein eigenes DOB-Zentrum

erforderlich. Dies wurde das Bikini-Haus mit insg. 60 Modefirmen, die hier an ca. 700

Nähmaschinen, Konfektionsmode in den oberen Etagen entwarfen und produzierten, und

u.a. im Erdgeschoß in den eigenen Stores verkauften.

Berliner sind mit Spitznamen schnell, so dass sie das 2 geteilte Gebäude, mit einem Ober- und einem Untergeschoß, dazwischen ein Luftgeschoß welches nur von Säulen getragen

wurde, nach dem, in den 50iger Jahren gerade neu herausgekommenen Bekleidungsstück,

dem „Bikini“ benannten: Ein Oberteil, ein Unterteil, dazwischen nix…!

Ab den 70iger Jahren verließen viele Modefirmen Berlin. Das Areal verlor seine

ursprüngliche Bestimmung und es zogen alle möglichen Geschäfte, Restaurants Büros,

Praxen, etc. sowie die staatliche Kunsthalle ein. Für diese wurde 1978 das sog. Bikinigeschoss

geschlossen, um mehr Platz zu schaffen.

Das Gebäude kam „runter“, man mochte hier nicht mehr lang gehen,..

Nachdem die Bayrische Hausbaubank das Gebäude gekauft hatte, begannen 2010 die

Umbauarbeiten vom beauftragten belgischen Architekturbüro SAQ zu einem Hotel-, Büro und Einkaufskomplexes.

Für das Bikini-Berlin wollte man wieder an die alte Tradition

anknüpfen, mit einer Conceptmall, die sich von den sonst üblichen, derzeit in Berlin

befindlichen 69 Malls, mit großen Filialisten und Ankermietern, unterscheidet.

BIKINI BERLIN soll eine Stadt in der Stadt sein, ein Mikrokosmos im großen, urbanen Kosmos

einer Metropole. Man kann im Hotel schlafen, in den Büros arbeiten, im Kantini essen, in der

Mall einkaufen, sich im Kino unterhalten lassen.

BIKINI BERLIN Außenfassade

BIKINI BERLIN Indoor

Zielkunde der Mall:

Man möchte ein Trend- und stilsicheres internationales Publikum, mit hohem Anspruch an

Qualität und Einkaufserlebnis ansprechen.-2-

Es soll ein Ort der Inspiration sein, der zum Verweilen und Entdecken einlädt.

Die Produkte sollen handwerkliche Qualität haben, und „besonders“ sein. Sie haben Beständigkeit mit dezentem Luxus, und frischen, neuen Ideen!

Es gibt hier Geschäfte, die es in Berlin oder in Deutschland nur selten, oder gar nicht gibt.

Berlin hat sich gewandelt, von der Industriemetropole zur Dienstleistungsmetropole, und ist

heute ein renomierter Hochschulstandort!

Derzeit gibt es in Berlin 8 Modeschulen, 3 Staatliche, 5 Private, und 3

Modemanagementschulen. Modeindustrieunternehmen, in der Größe von 70-200

Mitarbeitern, gab es Anfang der 80iger Jahre noch über 46. Heute gibt es in dieser Größe

kein einziges Unternehmen mehr in Berlin. Wo bleiben somit all die gut ausgebildeten,

jungen Modedesigner? Denn nicht alle wollen die Stadt verlassen?

Entweder sie machen sich manufakturartig selbständig, in dem man für viel Geld einen

Laden anmietet; hinten wird geschneidert, vorn die Ware verkauft; oder versucht, seine

Ware mit weniger Risiko, wie im Store LNFA zu verkaufen:

1.ter Store: LNFA (life-network-fashion-art)

Hier galt zu Anfang, man kann dort eine Kleiderstange, oder eine Vitrine mieten (300€/Mo.),

+ pro verkauftem Teil musste noch Provision abgegeben werden. Heute gibt es keine

Monatsmiete mehr, sondern nur noch Provisionsabgabe. Dafür erhält man Werbung,

Beratung vom Verkaufspersonal etc. Das Risiko bleibt gering, und es entsteht für beide

Parteien eine Win-Win Situation.

Wir schlendern zu einer weiteren Besonderheit der Mall, wir können uns setzen, und von

oben auf die BIKINI-BOXES schauen.

Dies ist ein Highlight des Einzelhandelskonzepts. Als Besucher haben Sie sich sicherlich am

Anfang gefragt, warum sehen diese Läden ein bisschen wie Holzverschläge aus? Die Boxes

sind 12 Einheiten, die in bis zu 18 aufgeteilt werden können, die zwischen 3 und 6 Monaten

angemietet werden können, und wo sie als Mieter die Größe bestimmen. Jungen Designern

bieten sie eine Präsentationsfläche, die sich sonst nie eine Festmietfläche leisten können,

etablierte Marken können hier neue Produkte, Zielgruppen testen (Weleda, Porsche..)

Auf dem Weg zu den anderen Stores mache ich auf Besonderheiten im Gebäude

aufmerksam: Das Bikinihaus wurde vollständig entkernt und bis auf das Betontragwerk

rückgebaut. Alle bauzeitlichen Fenster und Schaufenster, sowie alle originalen

Fassadenelemente, wie die Opakfriese, wurden entfernt, und durch Rekonstruktionen

ersetzt. Das Glas der zerborstenen Fenster, sowie die Gehwegplatten vor dem Gebäude

wurden in den Treppenhäusern als geschrädderter grobputz und im Innern als Feinputz,

welcher den Faltenwurf eines Kleides darstellen soll, angebracht.

Wir schauen uns das Geschäft Studio 183 an, und entdecken dort die ungewöhnlichen Styles

der international, etablierten Designer. Weiter bei blutsgeschwister, erfahren wir etwas zur

Geschichte dieses Labels, staunen über die Farbvielfalt in luxeriösen Materialien bei labo.art,

und begeben uns durch das inspirierende Restaurant: „spreegold“ hinauf auf die 7000 qm

große Dachterrasse. Hier genießen wir die spektakuläre Aussicht auf das Affengehege im

Zoologischen Garten, den Blick auf die Skyline der City-West, und genießen die Stille hier

mitten in der Rush-hour!

Wir blicken auf die moderne Rückfassade des Bikinihauses, bestaunen die erlesenen

Materialien, schauen auf das Hotel 25 hours mit der Dachterrasse der Monkeybar, und

erfahren etwas über die neuen Pläne für das Hutmacher Hochhaus…

Zurück geht es durch das Restaurant The Dawg , zu MayDays und lassen uns in die Welt der

Renn- und Flugsimulatoren entführen…

Wollen Sie mehr erfahren – dann freuen wir uns auf Sie bei unserer Führung zur ehemaligen Stalinallee.

Das sagt Jeanette Kraus-Meyer auf der Heyde über unsere Stadt & seine Führung:

„Meine Wahl-Heimatstadt Berlin fasziniert mich immer wieder aufs Neue;

besonders die spannende, kreative Kunst- und Modeszene; die hier stets im Wandel ist.

Als Insiderin begeistert mich, in den unterschiedlichen Bezirken, die neusten Trends zu entdecken, zusammenzustellen, und Erlebnishungrigen zu präsentieren!

Vom Grand-Boulevard bis zum Hinterhofkiez; von Jungdesignern bis zu internationalen Größen; interessiert mich dabei auch immer der geschichtliche Wandel der jeweiligen Bezirke und Straßen, mit ihren Kulturtempeln, Luxusquartieren, Ateliers, kleinen Handwerksbetrieben und Designläden!“

Ein paar Sonnenstrahlen auf der Dachterrasse genießen 🙂

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