Start am U-Bf. Westhafen. Direkt am Heizkraftwerk  Moabit, Berlins

ältestem Kraftwerk, 1900 erbaut von Franz Schwechten (Anhalter Bhf., Gedächtniskirche). Gelegen am Berlin-Spandauer Schifffahrts-kanal, der die Grenze bildet von Moabit zum Wedding, beides Ortsteile des Bezirks Berlin-Mitte. Am gegenüberliegenden Ufer liegt das Robert Koch-Institut und das Virchow-Klinikum, Berlins größtes Krankenhaus.

Der in den 20er Jahren gebaute Westhafen war zeitweise Deutschlands zweitgrößter Binnenhafen. Umgeschlagen werden hier u.a. Baumaterialien, Container, Schrott. Die nicht mehr genutzten Warenspeicher dienen heute der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Geheimen Staatsarchiv und Berliner Bibliotheken als Depots und Magazin.

Die Putlitzbrücke überspannt den Güterbahnhof Moabit, von seinen Gleisen wurden ab 1942 über 32000 Juden in die Vernichtungslager deportiert. Seit 1987 erinnert das Deportationsmahnmal von Volkmar Haase daran.

An der Stromstraße liegt das Einkaufszentrum „Schultheiss-Quartier“ in der ehemaligen Schultheiss-Brauerei. Hier wurde ab 1871 das Moabiter Actien-Bier gebraut, seit 1920 dann Schultheiss-Patzenhofer.

© Klaus Brenneisen

© Klaus Brenneisen

Die Bugenhagenstraße bildet den Einstieg in das „Reformatoren- viertel“. Hier sind viele Straßen nach Persönlichkeiten der Reformation benannt (Wiclef, Erasmus, Jonas, Bugenhagen, Waldenser), als Referenz an die Gründung Moabits durch Hugenotten vor 300 Jahren (1718). Einen inhaltlichen Kontrast dazu bildet das mitten im Viertel gelegene Dominikanerkloster.

Die Arminiushalle wurde 1890 als Berliner „Markthalle X“ eröffnet, eine Eisenkonstruktion, die in damals modernster Bauweise aus Fertigteilen errichtet wurde. Einst gab es dort 425 Marktstände, heute präsentiert sich hier eine Mischung aus einigen Verkaufs- ständen, Discounter und Foodstores. Die Halle ist beliebte Location für Gastronomie- und Musikevents.

Der Arminiushalle gegenüber liegt das Rathaus Tiergarten, ein für die NS-Zeit (1935) typischer Verwaltungsbau. Einst Rathaus des

früheren Bezirks Tiergarten, heute offizieller Verwaltungssitz von Berlin-Mitte.

Die Turmstraße ist die geschäftige Hauptstraße Moabits. Hier spiegelt sich die Bevölkerungsmischung aus Migrationshintergrund, (vor allem Türkisch, Libanesisch, Polnisch) und Gentrifizierung (Caffee Latte, Bioläden).

Der Kleine Tiergarten ist seit jeher die beliebte Grünanlage im Herzen des Stadtteils. Als „Plantage“ war es in vergangenen Jahrhunderten ein beliebter Ort zum Tanzen, Musizieren und Anbändeln. In Teilen des Parks gibt es vereinzelt Drogen- und Kleinkriminalität. Internationales Aufsehen erregte ein Mord, der

dort im August 2019 verübt und dem russischen Geheimdienst

zugeschrieben wurde.

An der Straße Alt-Moabit liegt das Bolle-Areal. 1871 hatte Carl Bolle dort mit der Milchproduktion begonnen. Heute befindet sich hier der Gewerbepark „Spreebogen“, entwickelt von dem Unternehmer Ernst Freiberger. In den Räumen der ehemaligen Meierei gibt es Läden, Gastronomie, das Hotel „Abion“ und – in der einstigen Kapelle – die Bolle-Festsäle mit einer großen Mehrzweckhalle. 

Schräg gegenüber von Bolle liegt die St. Johanniskirche. 1835 gebaut, gehört sie zu den vier von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Vorstadtkirchen. Auf dem Gelände der Kirche gibt es die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, gegründet 2017 von der Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates.

Die „Moabiter Apotheke“ ist die älteste Apotheke Berlins. Sie  befindet sich in Moabits ältestem Wohnhaus von 1857, Alt-Moabit 18.

Kriminalgericht und JVA Moabit bilden fast einen ganzen Block

zwischen Alt-Moabit- und Turmstr. Am größten Strafgericht Europas sind 340 Richter und 360 Staatsanwälte beschäftigt, es gibt 21 Verhandlungssäle. Versteckte Gänge bilden den Übergang zur JVA, in der in 971 Zellen hauptsächlich Untersuchungsgefangene unter-

gebracht sind. Der Bau von 1881 wurde in den 70er Jahren durch umfangreiche Neubauten ergänzt.

Auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes an der Rathenower Straße wurde ab 1951 der Fritz-Schloss-Park angelegt. Aus den Schutthaufen der im Krieg zerstörten bzw. später abgerissenen Kasernen wurde der Park durch einen Hügel mit Rodelbahn ergänzt. Östlich grenzt an den Park das Poststadion, eine umfangreiche Sportanlage, entstanden 1929.

Auf einem ausgedehnten Areal an der Lehrter Straße betreibt das Diakonische Werk zahlreiche Einrichtungen, u.a. Hostel, Senioren- wohnheim und Räumlichkeiten der Berliner Obdachlosenhilfe mit Kälteschutzraum.

Seit 2006 gibt es den „Geschichtspark Ehem. Zellengefängnis Moabit“. 1842 nach britischem Vorbild errichtet galt es als Preußisches Mustergefängnis, statt Gemeinschaftszellen gab es nun Einzelzellen. Seit 1940 von Wehrmacht und Gestapo genutzt, prominente Häftlinge waren Erich Mühsam, Wolfgang Borchert, Erich Honecker und Ernst Busch. Ab 1945 nutzten die Alliierten die Anlage, in der bis 1949 zwölf Hinrichtungen stattfanden. Das Gefängnis wurde 1957 abgerissen.

Der südliche Ausgang des Geschichtsparks an der Invalidenstr. führt zum Hauptbahnhof. Die transparente Glas- und Stahlkonstruktion des Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan (gmp) wurde 2006 eröffnet und besteht aus fünf Ebenen und wird täglich von etwa 300.000 Menschen frequentiert. Es ist ein Kreuzungsbahnhof mit 14 Gleisen und angeschlossenem Nord-Süd-Tunnel. Bis 1951 befand sich hier der Lehrter Bahnhof. Vom südlichen Vorplatz, dem Washingtonplatz, fällt der Blick auf das nahe Regierungsviertel mit Kanzleramt und Reichstag – jenseits der Spree, die hier den vollständig von Wasser umgebenen Inselstadtteil Moabit begrenzt.

Das sagt Klaus Brenneisen über unsere Stadt & seine Führung:

Was liebe ich an Berlin?

Wie sich nach dem Kennenlernen vieler lebenswerter Städte herausgestellt hat: meine Geburtsstadt ist die beste Stadt der Welt! Nie langweilig. Reiches Angebot an Kultur. Viel Grün im Urbanen. Viel Wasser. Und eine herzliche Schnoddrigkeit!

Was ist an meiner Tour so interessant?

Die Tour spiegelt die aufregende Transformation, in der sich der Stadtteil Moabit befindet – vom Mauerblümchendasein an der ehemaligen Grenze zwischen Ost und West zum innerstädtischen Hauptstadtviertel.

Was ist so außergewöhnlich an dem Thema?

Die Überwindung der Teilung brachte Berlin die Wiedererlangung der Hauptstadtfunktion. Moabit liegt dadurch nun in unmittelbarer Nähe der politischen Machtzentren – und hat sich trotzdem viele lokale, teils provinzielle Eigenheiten bewahrt. Dieser Kontrast birgt ein außergewöhnliches Potenzial, spannungsreich und faszinierend. 

Bolle in Berlin Moabit 🙂
© Klaus Brenneisen

Hinterlassen Sie einen Kommentar